Infrarotpaneele und Photovoltaik

Seit zwei Jahren erleben wir eine Revolution auf den Dächern Deutschlands. Fast jeder Neubau bekommt eine Photovoltaikanlage und viele Altbauten werden nachgerüstet. Der Grund ist einfach, Strom aus der eigenen Anlage kostet nur noch etwa acht Cent pro Kilowattstunde, während Strom aus dem Netz neunundzwanzig Cent kostet. Genau diese Entwicklung macht die Infrarotheizung plötzlich zur mit Abstand günstigsten Heizung überhaupt, weil sie den billigen Solarstrom direkt in Wärme verwandeln kann.

Wie die Kombination technisch funktioniert

Stellen Sie sich einen sonnigen Januartag vor. Draußen hat es minus zwei Grad, aber die Sonne scheint. Ihre Photovoltaikanlage mit zehn Kilowatt Peak produziert gerade sechstausend Watt Strom. Normalerweise würden Sie diesen Strom für ein paar Cent ins Netz einspeisen, weil Sie mittags kaum Strom verbrauchen. Mit einer smarten Steuerung passiert jetzt etwas anderes. Ihr Energiemanager erkennt, dass gerade Überschuss vorhanden ist und schaltet automatisch die Infrarotpaneele im Wohnzimmer, im Bad und im Schlafzimmer ein. Die Paneele nutzen den kostenlosen Strom und heizen die Wände auf. Die Wände speichern diese Wärme für sechs bis acht Stunden. Abends, wenn die Sonne weg ist und der Strom aus dem Netz teuer wäre, sind Ihre Wände noch warm und geben die gespeicherte Sonnenwärme an den Raum ab. Sie haben also die Sonne vom Mittag in den Abend verschoben und mussten dafür keinen teuren Batteriespeicher kaufen, weil Ihr Haus selbst der Speicher ist.

Rechenbeispiel: So viel sparen Sie wirklich pro Jahr

Ein durchschnittliches Haus braucht etwa achttausend Kilowattstunden Wärme pro Jahr. Mit einer Infrarotheizung allein aus dem Netz würde das etwa zweitausenddreihundert Euro kosten. Mit einer zehn Kilowatt Peak Photovoltaikanlage können Sie etwa vierzig Prozent davon, also dreitausendzweihundert Kilowattstunden, direkt abdecken. Diese dreitausendzweihundert Kilowattstunden kosten Sie nicht neunundzwanzig Cent, sondern nur acht Cent, also zweihundertsechsundfünfzig Euro statt neunhundertachtundzwanzig Euro. Sie sparen also sechshundertzweiundsiebzig Euro pro Jahr nur durch die direkte Nutzung. Wenn Sie zusätzlich einen kleinen Stromspeicher von zehn Kilowattstunden haben, können Sie den Eigenverbrauch auf sechzig Prozent steigern und sparen über tausend Euro pro Jahr. Die Photovoltaikanlage, die Sie ohnehin für Ihren Haushaltsstrom haben, bezahlt also plötzlich auch noch Ihre Heizung mit.

Warum das Haus zum besten Energiespeicher wird

Viele Menschen denken, sie brauchen einen riesigen Batteriespeicher, um autark zu heizen. Das ist falsch. Eine Kilowattstunde Strom in einer Batterie zu speichern kostet etwa fünfzehn Cent an Anschaffungskosten für die Batterie. Eine Kilowattstunde Wärme in einer Ziegelwand zu speichern kostet null Cent, weil die Wand schon da ist. Eine Tonne Ziegel kann etwa vierundzwanzig Kilowattstunden Wärme speichern und wieder abgeben. Ihr Haus wiegt über hundert Tonnen und ist damit der größte und günstigste Speicher, den Sie sich vorstellen können. Deshalb ist die Kombination aus Infrarot und Photovoltaik so genial. Sie brauchen keine komplizierte Wärmepumpe mit Pufferspeicher und tausend Metern Fußbodenheizungsrohr, sondern nur ein dünnes Paneel an der Decke, das die Wand aufwärmt, wenn die Sonne scheint.

Worauf Sie bei der Steuerung achten müssen

Damit das System wirklich funktioniert, brauchen Sie einen guten Energiemanager, der die Paneele nicht einfach nach Temperatur, sondern nach Solarüberschuss steuert. Günstige Thermostate schalten immer dann ein, wenn es kalt ist, also morgens und abends, wenn gerade kein Solarstrom da ist. Ein smarter Regler wie ein MyPV oder ein Heizstab-Manager schaut auf den Wechselrichter und schaltet die Paneele genau dann ein, wenn Überschuss vorhanden ist, auch wenn der Raum schon warm ist. Er überheizt den Raum um ein bis zwei Grad, um mehr Sonnenenergie zu speichern. Diese ein bis zwei Grad mehr spüren Sie kaum, aber Sie sparen hunderte Euro, weil Sie die Energie nicht teuer einkaufen müssen. Wenn Sie also über eine neue Heizung nachdenken, denken Sie immer zuerst über das Dach nach. Wer heute noch Gas ohne Sonne plant, plant an der Zukunft vorbei.

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